50 Jahre Volkswagen Leasing!

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Mit der richtigen Idee, zur richtigen Zeit ...

Prof. Dr. Carl H. Hahn

Interview mit Prof. Dr. Carl H. Hahn, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG und Initiator der Gründung der Volkswagen Leasing GmbH

Carl Horst Hahn war von 1982 bis 1992 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG. Nach Wirtschafts-, Kunst- und Sprachstudium in mehreren Ländern und einer Promotion in Volkswirtschaftslehre sowie nach ersten beruflichen Stationen bei Fiat und der OECD wurde der Sohn des DKW- und Auto Union-Managers Carl Hahn senior im Jahr 1953 Assistent des Generaldirektors der Volkswagenwerk GmbH in Wolfsburg, des legendären Heinrich Nordhoff. Nach Stationen als Leiter der Verkaufsförderung Export und von Volkswagen of America in den USA wurde Carl H. Hahn mit 38 Jahren Vorstandsmitglied von Volkswagen. 1972 wechselte er als Vorstandsvorsitzender zur Continental AG in Hannover, die er erfolgreich globalisierte, und kehrte 1982 in gleicher Position zurück zur Volkswagen AG. 1992 wechselte er in den Aufsichtsrat. Geboren am 1. Juli 1926, ist Carl H. Hahn noch jeden Tag im Büro.

Herr Professor Hahn, erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit dem Fahrzeugleasing?

Carl H. Hahn: Das muss in den späten 50er-Jahren gewesen sein, während meiner Zeit in den USA. Ich hatte als Erstes davon in der Zeitung gelesen. Als ich 1964 nach Deutschland zurückkehrte, wusste ich längst, dass ich das auch in Deutschland umsetzen möchte.

Und dann? Mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?

Ich war halb so jung wie viele Vorstände. Aber die meisten ließen sich sehr schnell vom Leasing überzeugen. Zumindest erwartete man, dass wir mit dem Leasing kein Geld verlieren würden.

Wie waren die Anfänge des Leasinggeschäfts?

Das waren holprige Straßen, auf denen wir uns damals bewegten. Wir hatten ja alle keine Erfahrung damit und in den USA abschauen konnten wir nur zu einem gewissen Grad. Wir haben Richard Berthold, den späteren ersten Geschäftsführer der Volkswagen Leasing GmbH, in die USA geschickt, um das Leasing für einige Zeit im Markt zu studieren. Als er zurückkam, haben wir mit ein paar Mann losgelegt und dabei das Tempo der Entwicklung völlig unterschätzt. Und noch eines hatten wir unterschätzt: Das Leasing sollte sich schnell zu einem Stabilisator entwickeln, als eine Form des Absatzes, die in schlechten Zeiten weniger zurückging und in guten Zeiten umso mehr wuchs.

Heißt das, Ihre Erwartungen an das Leasing in Deutschland sind schon bald übertroffen worden?

Ja. Wir hätten nicht gedacht, innerhalb weniger Jahre auf 100 % Kapitalverzinsung zu kommen! Wir hatten sehr schnell sehr viel Eigenkapital in der Leasinggesellschaft und so schafften wir Wachstum auf Eigenfinanzierungsbasis. Es lief einfach! Wir mussten im Vorstand nie mehr über das Leasing sprechen – es war zu einem selbstverständlichen Geschäftsbereich und unverzichtbaren Absatzbringer des Konzerns geworden.

Prof. Dr. Carl H. Hahn

Was waren die Gründe für das schnelle Wachstum?

Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte, der Fahrzeuge, war eine Grundvoraussetzung. Das Leasing profitierte von der Reputation der Zuverlässigkeit unserer Produkte. Die Zuverlässigkeit war ja wirklich so, und das sorgte für Stabilität bei den Restwerten. Mit dem Leasing konnten wir also die Überlegenheit unserer Produkte voll ausspielen.

Welche Rolle spielte das Marktumfeld?

Das Umfeld war natürlich ideal. Beim Start des Leasings 1966 befanden wir uns mitten im Wirtschaftswunder. Mit chinesischen Wachstumsraten, wie man heute sagen würde: zehn Prozent und mehr, fast jährlich. Das große wie das kleine Unternehmertum florierte in jener Zeit und so erreichten wir schnell Volumen.

Leasing war bis 1977 ausschließlich gewerblichen Kunden vorbehalten ...

Wir haben die Gewerbekunden ins Visier genommen, weil die Liquidität, Bilanzierung und steuerlichen Vorteile gut zu argumentieren waren. Aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums waren vor allem viele kleine und mittlere Unternehmen unterkapitalisiert, obwohl sie enorme Gewinne machten. Sie mussten ja ihr schnelles Wachstum finanzieren. Da kamen wir mit dem Leasing gerade recht…

Warum das?

Weil wir die Autos aus der Bilanz nahmen. Damit wurde in den Unternehmen, die auf Fahrzeugleasing setzten, wieder Eigenkapital frei. Geld, das in Wachstum investiert werden konnte. Damit ist und war Leasing ein Programm für tüchtige Unternehmer.

... und damit war es auch ein weiterer Treiber des Wirtschaftswunders?

Nicht, dass wir das vorausberechnet hätten. Aber wir hatten schnell erkannt, dass das Automobilleasing und der Eigenkapitalbedarf einer schnell wachsenden Wirtschaft perfekt zusammenpassten. Mit der Entwicklung des Leasings können wir damals wie heute sehr zufrieden sein. Heute, nach 50 Jahren, freut man sich, dass aus einer so kleinen Idee etwas geworden ist, das Bestand und Bedeutung hat.

Eine Einschätzung, die sicher auch der Handel teilt. War der eigentlich leicht ins Boot zu holen, als Sie das Automobilleasing einführten?

Damals wurde der Handel noch sehr straff geführt. Aber das bedeutete natürlich nicht, dass uns von dort nicht der Wind ins Gesicht blies. Nebenbei gesagt: Ich habe ja nicht nur die Idee des Automobilleasings aus den USA mit nach Deutschland gebracht. Auch die Einrichtung eines Händlerbeirats habe ich in den USA abgeschaut; gerade hat der Händlerbeirat sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Der Hersteller und der Handel machen seither erfolgreich gemeinsame Sache. Und alle haben mit Leasing gewonnen: die Kunden, der Handel, der Hersteller.

Was konkret hat der Handel mit dem Leasing gewonnen?

Gibt es einen ehrlicheren Gebrauchtwagen als einen aus dem Leasinggeschäft? Das Auto wurde über die gesamte Leasinglaufzeit lückenlos betreut, mit Originalersatzteilen gewartet und repariert, vom Kunden pfleglich behandelt, und das alles ist lückenlos dokumentiert – da kann kein Tacho zurückgedreht sein.

Inwiefern sprechen denn gerade die Rückläufer für das Leasing?

Gebrauchtwagen sind die Speerspitzen unseres Geschäfts von morgen und übermorgen. Die meisten Menschen beginnen ihre Automobilität mit einem Gebrauchten. Deshalb ist es wichtig, dass wir im Markenhandel uns die besten Gebrauchtwagen selbst beschaffen – mit Leasingrückläufern. Der intelligente Händler weiß, wohin er gehen muss, wenn er seinen Gebrauchtwagenbestand mit Leckerbissen abrunden muss. Aber wir müssen gar nicht so weit gehen. Die positiven Effekte des Leasings sind vielfältig und sie reichen über das Gebrauchtwagengeschäft hinaus. Nehmen Sie das Werkstattgeschäft: Es hat sich sehr schnell nach Einführung des Leasings herumgesprochen, wie wertvoll Leasing für das Werkstattgeschäft ist. Leasing brachte Stabilität in die Werkstatt sowie treue Kunden und neue Umsätze ins Autohaus – und davon profitieren der Handel und seine Verkäufer bis heute.

Und noch eine Frage: Anfang der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts führten Sie den Volkswagen Konzern nach China und waren damit ein Vorreiter der Globalisierung. Sie legten den Grundstein für das China-Geschäft, von dem die gesamte deutsche Automobil- und Zuliefererindustrie heute massiv profitiert. Haben Sie damals geglaubt, dass Ihre Pioniertat so nachhaltig erfolgreich sein würde?

China war in der weltweiten Wirtschaftsgeschichte über Jahrtausende führend. Nach der Annäherung durch US-Präsident Nixon empfand ich es nur als natürlich, mich dort umzuschauen und das Potenzial dieses großartigen und geheimnisvollen Landes zu prüfen. Die damalige chinesische Elite schickte ihre Kinder nicht mehr wie ihre Vorgänger nach Russland, sondern an die Spitzenuniversitäten des angelsächsischen Raums. Das war für mich ein klares Zeichen, dass es keinen Rückfall in alte Zeiten, keine zweite Kulturrevolution geben würde.

Und dann haben Sie mal eben als erster westlicher Automobilhersteller ein Joint-Venture gegründet…

Natürlich bedeutete eine Investition dieser Größenordnung in einem Land wie dem damaligen China ein Risiko. Aber ich fand es überschaubar, denn ich sagte mir: So viel Volumen, dass wir kein Geld verlieren, ist drin. Eine Million Fahrzeuge hielt ich für realistisch – alleine die Taxis! – und damit die Investition für gesichert. Doch als wir 1984 zusammen mit dem Bundeskanzler Helmut Kohl in der Halle des Volkes in Peking den Vertrag mit China unterzeichnet haben, hieß es: Jetzt versenkt der Hahn 100 Millionen Mark. Es ist bekanntlich anders gekommen ...

Der Erfolg sollte Ihnen mehr als Recht geben. Wie würden Sie die Bilanz Ihres Berufslebens bei Volkswagen auf den Punkt bringen, Herr Hahn?

Vieles ist Fügung. Man kann nicht alles vorausplanen. Ich hatte das Glück, oft mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – wie mit dem Leasing.

Vielen Dank für das Gespräch!